Social Milchmädchenrechnung

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“Autoblogger machen den etablierten Autojournalisten Konkurrenz. Das können wir nicht auf uns sitzen lassen und bloggen ab sofort zurück. Besser natürlich” (Stefan Anker, welt.de)

Vor einigen Tagen hat Journalist Stefan Anker auf welt.de ein Autoblog namens BigBlog gestartet. Diese Meldung hätte den Stellenwert vom berühmten Sack Reis, der in China umfällt, gäbe es nicht bereits ein alteingessenes Autoblog mit ähnlichem Namen: Big Blogg.

Ähnliche Namen? Kommt vor und bleibt bei über 2000 Jahren Kulturgeschichte nicht aus. Ausserdem schreibt Axel Griesinger von Big Blogg hauptsächlich über MINI. Doch wenn man etwas näher heranzoomt fällt auf: Die Ähnlichkeit der Blogtitel ist nur eine von mehreren gezielten Provokationen, mit denen Anker die Blogosphäre betritt um darin zu wirken. So dürfte beispielsweise jeder, der sich mit deutscher Geschichte auskennt, von dem Satz “Das können wir nicht auf uns sitzen lassen und bloggen ab sofort zurück” irritiert sein, mit denen Stefan Anker seinen BigBlog auf welt-online einführt. Ein sehr lauter, aber auch unglücklicher Hinweis darauf, dass die Kampfansage an die Blogger einen ironischen Unterton haben soll.

Gezielte Provokation? Kampfansage? Wozu das alles? Den Grund nennt der Autor im Text auf welt.de: Er möchte beweisen, dass “Papierjournalisten” keinesfalls so rückständig seien, wie von Vertreter der Autoblogger-Szene behauptet werde.

Aufmerksamkeit durch Provokation ist ein fragwürdiges Mittel, um etwas zu etablieren, das auf Sockeln wie “Authentizität” und “Credibility” ruht. Es ist schwierig, Teil des Schwarms zu werden, wenn man ihn gleichzeitig versucht vorzuführen.

Doch seine Social Milchmädchenrechnung ist aufgegangen: Anker, der “Newcomer” unter den Autobloggern hat es geschafft, mit einem Mal die Agenda an sich zu reissen und auf wichtigen Blogs verlinkt zu werden. Er hat mit der Namensähnlichkeit eine Steilvorlage geliefert, um von heute auf morgen sein unbekanntes und bisher fast leeres Blog aus einer Nische heraus ins Blickfeld der digitalen Meinungsmacher Deutschlands zu rücken.

Ein Beweis dafür, dass hier jemand die Funktionsweise von Social Media verstanden hat ist das alles jedoch nicht. Es sind wohl eher die berühmten 15 Minuten Ruhm, die möglicherweise auf Kosten von Blogger Axel Griesinger gehen. Das sollte man nicht miteinander verwechseln.

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  1. Pingback: Deutscher Auto Blogger Digest vom 19.04.2013 › "Auto .. geil"

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